Leistung, Haltung und der Wille, neue Wege zu gehen
"Ohne Sport wäre ich nicht da, wo ich heute bin."
Meine Geschichte ist die eines Athleten, der früh gelernt hat, mit Herausforderungen umzugehen, Rückschläge anzunehmen und aus ihnen Stärke zu entwickeln. Für mich ist Sport mehr als Wettkampf – er ist meine Lebensversicherung.
Ein Lebensweg geprägt von Durchhaltevermögen
Ich wurde nach einem Notkaiserschnitt geboren. Zunächst schien alles unauffällig, doch im frühen Kindesalter folgten die Diagnosen Epilepsie und Hemiparese. Was für viele Familien ein Schock ist, wurde für mich und meine Eltern der Beginn eines langen, intensiven Weges. Zahlreiche Therapien begleiteten meine Kindheit:
- Physiotherapie
- Ergotherapie
- Reittherapie
- Alternative Ansätze
- Eine größere Darmoperation
Auch schulisch war mein Weg alles andere als geradlinig. Vom Regelkindergarten mit Einzelbetreuung über einen Sprachförderkindergarten und eine Schule für Körperbehinderte bis hin zur Montessori-Schule sammelte ich vielfältige Erfahrungen. Nicht immer wurde mir viel zugetraut – Widerstände und Zweifel von außen waren ständige Begleiter.
Doch gemeinsam mit meiner Familie fanden wir immer wieder Lösungen. In der Montessori-Schule erlebte ich erstmals ein Umfeld, das meine Stärken erkannte und förderte – sportlich wie schulisch. Diese Erfahrung prägte mich nachhaltig.
"Viele gucken nach hinten und sehen nur, was sie nicht haben und nicht können. Max sieht immer nach vorne, er sieht was er hat und was er kann - oder was er können will."
-Thomas Jäger-
Früher Einstieg in den Leistungssport
Der Sport wurde früh zu einem zentralen Bestandteil meines Lebens. Zwischen 2010 und 2018 war ich im Paraskifahren aktiv, parallel betrieb ich von 2012 bis 2016 Parakanu. Schon hier zeigten sich mein Ehrgeiz, meine Trainingsdisziplin und mein Wunsch, mich mit den Besten zu messen.
Doch der Leistungssport forderte seinen Tribut. Besonders im Skisport stieß ich aufgrund der Spastik im linken Kniegelenk an körperliche Grenzen. Die Geschwindigkeit und Belastung wurden zu hoch - ein Wendepunkt, der Mut zur Veränderung erforderte.
Der Wechsel zum Pararadsport – eine neue Perspektive
Eine zufällige Begegnung wurde zum entscheidenden Impuls: Bei einem Empfang in der Bayerischen Staatskanzlei kurz nach den Paralympics in Rio 2016 sprach mich Michael Teuber an, paralympischer Radsportler und Landestrainer. Die Einladung zu einem Sichtungstraining eröffnete mir eine neue sportliche Perspektive. 2018 wechselte ich in den Pararadsport. Nach dem Kontakt mit dem Trainingsstützpunkt in Cottbus und der Anschaffung eines speziellen Dreirads begann ein neuer Abschnitt. Schnell wurde deutlich, dass ich hier über außergewöhnliches Potenzial verfügte – vorausgesetzt, Training und Material werden individuell auf meine Bedürfnisse abgestimmt.
Innovation als Schlüssel zum Erfolg
Seit 2021 arbeite ich mit meinem Trainer Frederik Hähnel zusammen, selbst aktiver Radsportler. Die Zusammenarbeit ist geprägt von Vertrauen, Offenheit und Innovationsgeist. Gemeinsam entwickeln wir Trainingsmethoden, die nicht nur leistungsorientiert, sondern auch nachhaltig sind.
Ein Meilenstein ist das „Lenkerprojekt“ in Kooperation mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus. Aufgrund meiner körperlichen Einschränkungen benötigte ich eine spezielle Lösung. Das Ergebnis: ein asymmetrischer Carbonlenker – eine Weltneuheit im Pararadsport.
Wissenschaftlich begleitet durch Bike-Fitting und Videoanalysen ermöglichte diese technische Innovation eine ergonomischere, schmerzfreie Haltung und eine deutliche Leistungssteigerung. Der Erfolg gab dem Ansatz recht: 2024 wurde ich Vize-Weltmeister im Straßenrennen. Ein Triumph, der zeigt, was möglich ist, wenn Sport, Wissenschaft, Wille und individuelle Betreuung konsequent zusammengedacht werden.
„Ein guter Trainer sieht nicht deine Einschränkung, sondern das Potenzial."
Umgang mit Krisen – auch abseits der Strecke
Direkt nach der WM 2023 und kurz vor der EM, erlebte ich die wohl schwierigste Phase meiner Karriere. Ich infizierte mich mit Corona, litt lange unter den Spätfolgen und verpasste wichtige Wettkämpfe in Topform. Ich konnte als amtierender Weltmeister nicht an den Start gehen. Medikamente führten zu erheblichen Nebenwirkungen und einer Gewichtszunahme von rund sieben Kilogramm. Physisch wie psychisch war diese Zeit extrem fordernd.
Doch erneut zeigte sich - Gemeinsam mit meinem Umfeld, Trainerteam, Bundestrainer Gregor Lang, medizinischen Spezialisten und meiner Familie – fand ich zurück in die Spur.
„Mein Weg im Sport war nie gerade. Genau das macht mich stark."
Engagement, Studium und Vorbildfunktion
Neben dem Leistungssport investiere ich bewusst in meine Zukunft und in die Förderung Anderer. Seit Oktober 2024 studiere ich dual angewandte Sportwissenschaften mit der Spezialisierung auf Leistungs- und Wettkampfsport. Parallel arbeite ich beim Behinderten- und Rehabilitationssportverband Brandenburg.
Dort engagiere ich mich insbesondere im Nachwuchsbereich. In Parasportgruppen, vor allem im Radsport, betreue ich Kinder und Jugendliche mit Handicap. Gemeinsam mit einem Trainer gestalte ich wöchentliche Trainingseinheiten, um jungen Menschen den Zugang zum Sport zu ermöglichen und ihnen Perspektiven aufzuzeigen.
Für viele bin ich dabei nicht nur Trainer, sondern Vorbild. Jemand, der zeigt, was mit Einsatz, Geduld und den richtigen Rahmenbedingungen möglich ist.
„Sport hat mir gezeigt, was möglich ist. Jetzt gebe ich das an die nächste Generation weiter."
Auch innerhalb meiner Familie wirkte dieser Weg inspirierend. Meine jüngere Schwester fand durch mich zum Radsport und wurde jüngst für die Nationalmannschaft nominiert (2025). Meine ältere Schwester entdeckte über mich den Wildwassersport und feierte dort eigene Erfolge. Leistung, Bewegung und Zusammenhalt wurden zu gemeinsamen Werten.
„Familie bedeutet Rückenwind. Ohne ihn fährt man keinen langen Weg."
Mein Weg ist noch lange nicht zu Ende. Doch eines ist bereits heute klar: Ich fahre nicht nur um Medaillen, sondern für eine Idee von Sport, die Leistung, Freude und Zukunft verbindet.
„Meine Geschichte zeigt: Möglichkeiten entstehen, wenn Wille auf Unterstützung trifft."
